Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Kalisalze

als Folge ihrer Elektronenkonfiguration

(um die Symptome der Kalisalze zu verstehen)

 Sam Kean S.222 (SK)[1]: „Ein lebender Organismus ist so überaus kompliziert, dass er dem Chaos der Chaostheorie gleicht, nach welcher der Flügelschlag eines Schmetterlings am Amazonas ein Erdbeben am andern Ende der Erde auslösen kann. Daher ist es nahezu unvorhersehbar, was geschehen wird, wenn man ein beliebiges Element in die Adern, die Leber oder die Bauchspeicheldrüse schleust“.

 

Kalium 19-K-39 ist im sog. „Westblock“ des Periodensystems beheimatet. Seine chemische und physiologische Wirkung resultiert aus der Eigenschaft, dass Kalium (es hat die Elektronenkonfiguration [Ar]4s1) als geladenes Jon in Erscheinung tritt und deshalb äusserst reaktiv ist. „Würde man reines Natrium oder Kalium zu sich nehmen, so würde jeder dieser Stoffe im Körper explodieren, da sie mit Wasser reagieren“ (SK 179).  

Kalium – das wichtigste Elektrolyt der Körperzellen - ist an der Übermittlung der Nervensignale beteiligt. Kleinste Mengen von Kalium intravenös appliziert führen schnell zum „Chaos“ am Herzmuskel mit Kammerflimmern oder Asystolie und dadurch zum Sekunden-Herztod. Eine Hyperkaliämie entsteht z.B. durch exzessiven Leistungssport (Marathon), bei Diabetes und (Achtung) durch NSAR (deshalb sind diese in der berechtigten Kritik). Kalium (als reines Element) ist ein hoch reaktives, myo- und neurotoxisches Element, das in Verbindung mit andern Elementen modifiziert wird.

Zur Symptomatologie der Kaliumsalze trugen wie bei allen homöopathischen Arzneien auch Vergiftungsfälle und die allopathische Anwendung bei. So schreibt Farrington ([2]F 687): „Es gibt viele Fälle langsamer Vergiftungen mit Kalium-Salzen, hauptsächlich, wenn unsere allopathischen Genossen Kali bromatum in ausgedehnter Weise angewendet haben. Dann haben wir die chronischen Wirkungen davon zu behandeln. Diese verlangen dann Antidote: Hepar, welches Antidot für Metalle im Allgemeinen ist“… 

„Die lähmende Wirkung zeigt sich deutlich am Herzmuskel, der frühzeitig bei Vergiftungen mit Kalium affiziert wird, da das Tier eventuell stirbt in der Diastole, d.h. das Herz ist weit dilatiert in dem Augenblick, wo es aufhört zu schlagen. Mit dieser Andeutung werden Sie die (= alle) Kalium- Salze nützlich finden bei grosser Muskelschwäche…“ (als Leitsymptom). Die nachfolgenden Beschreibungen beruhen massgeblich auf den Angaben von Farrington, bei dessen Schilderungen der Genius der Arzneien klar ersichtlich wird.

Wie bei allen Verbindungen ist für ihre chemische Eigenschaft die Elektronenkonfiguration der Orbitale verantwortlich. Zu deren Anordnung stehen vier Grundkonfigurationen zur Verfügung, nämlich s (sharp), p (principal), d (diffuse) und f (fine). Das s-Orbital ist kugelförmig und besitzt die höchste Elektronendichte im Zentrum. Die p-Orbitale besitzen je nach Anzahl Elektronen 1 bis 3 zweilappige (hantelförmige) Gebilde, angeordnet auf den drei potentiellen Achsen x, y und z. (Wegen der zweilappigen Konfiguration ist die geringste Elektronendichte im Mittelpunkt, also im Atomkern.) Die d-Orbitale sind vierlappig (jeweils 2 „Hanteln“ gekreuzt, wie ein vierblätteriges Kleeblatt) auf 5 potenziellen Achsen, die f-Orbitale sind sechslappig auf 7 potenziellen Achsen. Daraus leitet sich ab, wann die Orbitale vollständig mit Elektronen besetzt sind. Es gilt (das Prinzip nach Wolfgang Pauli): für s 2 x 1, für px,y,z 2 x 3 (für d 2 x 5, für f 2 x 7, siehe Quecksilber). Der Einfachheit halber sind unten nur die s- und px,y,z-Orbitale abgebildet.

Elektronen sind wie die andern Fermionen (up-Quarks, down-Quarks, Neutrinos usw.) unter sich identisch und deshalb ununterscheidbar. Sie schliessen sich gegenseitig aus, so dass sich nicht 2 Elektronen zur gleichen Zeit am gleichen Ort aufhalten können. Ein Orbital kann mit maximal 2 Elektronen bestückt sein, da sich diese bei gleichbleibenden Quantenzahlen nur in ihren Phasen unterscheiden (Phasenverschiebung mit Spin +1 und Spin -1). Das ist das Pauli-Prinzip - die Grundlage der Differenzierung des Periodensystems.

 

Die hauptsächlichsten Kalium-Salze der Homöopathie sind: Kalium bichromicum, bromatum, carbonicum, jodatum, muriaticum (ungenügend geprüft), nitricum und sulfuricum (auch mangelhaft in der Literatur).

 

Kalium carbonicum

(K2CO3 = Dikaliumcarbonat)

Der Carbon-Anteil CO3 von Kalium carbonicum reflektiert nur die Eigenschaften des Sauerstoffs 8-O-16 (er hat die Elektronenkonfiguration [He]2s22p4). Der Kohlenstoff 6-C-12 hat die Elektronenkonfiguration ([He]2s22p2): Er ist das 6. Element im Periodensystem und verfügt über 2 kugelförmige s-Orbitale mit je 2 Elektronen (2 · s2) und über 1 zweilappiges p-Orbital mit ebenfalls 2 Elektronen (p2). Von den 3 möglichen Verteilungszuständen x-, y- und z im p-Orbital ist somit nur 1 Achse besetzt, weshalb die Energieebene 2s22p2 in Verbindung mit einem andern Atom noch um 4 (fremde) Elektronen auf 2s22p6 vervollständig werden muss (6 Elektronen im 3-lappigen px,y,z-Orbital. Atkins ([3]A 162): „Der Kohlenstoff stellt an seine Bindungspartner keine hohen Anforderungen. Indem er den Mittelweg beschreitet, mit + 4 Elektronen auf der äusseren Ebene um das Orbital zu füllen)… kann er beständige Bedürfnisse aufbauen.“

In unserem Beispiel für K2CO3 beteiligt sich der Kohlenstoff an je 1 Elektron von zwei der drei Sauerstoffatomen und an je 1 Elektron der zwei Kaliumatome, wodurch der Kohlenstoff eingekreist, nach aussen „abgeschirmt“, neutralisiert wird. Die zentrale Eigenschaft des Kohlenstoffes liegt in der Verkoppelung anderer Elemente, z.B. des Sauerstoffs mit Kalium. Der Kohlenstoff selbst generiert deshalb keine Symptome. Um Kalium carbonicum zu verstehen, sind die Eigenschaften des Kaliums 19K ([Ar]4s1) und des Sauerstoffs 8O ([He] 2s2p4) zu verstehen.

(SK 43): Der Sauerstoff 8-O-16 hat die Elektronenkonfiguration ([He]2s22p4). Er ist das achte Element, hat 8 Protonen und 8 Neutronen im Kern und folglich 8 Elektronen der Orbitale. „2 befinden sich auf der ersten, inneren Ebene 1s2, die zuerst gefüllt wird. Damit bleiben sechs Elektronen auf der äusseren Ebene 2s22p4, weshalb Sauerstoff immer auf der Jagd nach 2 zusätzlichen (fremden) Elektronen ist...“ Sauerstoff ist stabil und deshalb das dritthäufigste Element im Universum. Das erklärt den häufigen Bedarf von Calcium carbonicum (Calcium ist ausgewogen mit 20 Neutronen und 20 Protonen) und Kalium carbonicum. (Kalium 19-K-39 mit 19 Protonen und 20 Neutronen). (SK 213): „Sobald die Atome von Sauerstoffmolekülen Hitze absorbieren, trennen sie sich und machen ihrer Umgebung im wahrsten Sinne die Hölle heiss, indem sie Elektronen von benachbarten Atomen stehlen.“ Über diese gewaltsame Weise verbindet sich der Sauerstoff unter Hilfe des Kohlenstoffs mit dem Kalium.

Infolge einer länger anhaltenden Sauerstoff-Versorgung leiden Frühgeborene später gehäuft an einer broncho-pulmonalen Dysplasie mit Hustenattacken, Auswurf, bronchialer Hyperreagibilität (Spasmen) usw. Ebenfalls durch eine Hyperoxie experimentell an Ratten entstehen ausserdem Nervenzellschäden in Gehirn und Rückenmark, auch können andere Zellen geschädigt werden.

(F 710 ff): „Kalium carbonicum ist komplementär zu Carbo vegetabilis und ähnlich dieser bei manchen Krankheitsformen, hauptsächlich bei Lungenentzündung… (Wirkung des Sauerstoffs). Kalium carbonicum übt Einfluss auf die Blutbildung, sowohl in quantitativer wie in qualitativer Beziehung. Dies zeigt sich in der Anämie, welches das Mittel hervorbringt.“ „Kalium carbonicum wirkt nicht nur auf die willkürlichen Muskeln (Wirkung des Kaliums), sondern auch auf das Herz. Das Herz wird schwach, wenn Kalium carbonicum indiziert ist, und Sie haben daher einen Puls, welcher unregelmässig und intermittierend ist, oder, wenn auch schnell, sehr schwach. Dieser Charakter des Pulses wird nun jedes Leiden bestimmen, bei dem Sie das Mittel geben können. Es ist ein Charakteristikum des Mittels, das allen seinen Symptomen zugrunde liegt…“. „Die besondere Kombination von Symptomen, Schweiss, Rückenschmerzen und Schwäche (Kalium) findet sich bei keinem andern Mittel…“.

„Was das Gemüt anbelangt (K und O), so ist der Kranke übermässig reizbar und nervös. Sie werden durch imaginäre Halluzinationen erschreckt… Sie fahren zusammen und zittern.“ „Neben dem Rückenschmerz, der als Folge der Anämie oder Abort erwähnt wurde, haben wir Spinalirritation… Daher wird Druck im Kreuz (Sacrum) sich finden, als drängte eine schwere Last nach unten… Der Rückenschmerz verschlimmert sich, wenn der Kranke <geht…“.

„Der Husten ist paroxysmenartig und verbunden mit Erstickungsnot… Wir finden es indiziert bei Bronchitis, bei Pneumonie und bei Phthisis pulmonalis… Das charakteristischste Symptom sind stechende Schmerzen, die hauptsächlich in den Brustwänden sitzen, sie verschlimmern durch <jede BewegungKalium carbonicum ist indiziert bei Pneumonia infantilis oder kapillärer Bronchitis (= Bronchiolitis)… Das Atmen ist schnaufend und pfeifend, und das Kind hat Husten zum Ersticken. Sie müssen Kalium carbonicum sorgfältig mit Antimonium tartaricum vergleichen…“.

Zu ergänzen bei den nervösen Symptomen sind Augenflimmern und Tinnitus, die Schreckhaftigkeit (typisch für alle Kalisalze) und Claustrophobie, ferner die Verschlimmerung durch <jede Anstrengung, auch jene mit Erhitzung und schliesslich die Verschlimmerung <nach Bewegung oder beim Umlagern im Bett. Auch die Hypo- oder Amenorrhoe sind von Bedeutung.

Zum Genius von Kalium carbonicum im amokoor: Schwäche disseminiert. Stechen/ Reissen. Lumbago/ Ischialgie. Flimmern/ Dröhnen/ Tinnitus. Instabil. Herz, Anämie/ Ödem/ Blässe. Schweiss/ Sputum (Säugling)/ Schluckzwang/ Exkrete scharf. Haarausfall. Pathologische Mens/ Schwangerschaft; Amenorrhoe. Selten Ausschlag. Schreckhaft/ jammern/ Skrupel, schlaflos. <Brot/ Milch/ Fisch, B Süsses. A/<Wasser/ A/<waschen. <jede Anstrengung/ sehen angestrengt/ aktive Erhitzung. >Massage/ Reiten, <umdrehen/ in Ruhe nach Bewegung. <atmen ein, >Aufstossen. <Musik. <Mens/ Coitus/ <Pollution. <Schlaf/ Erwachen. <Schwangerschaft. <Gewölbe/ allein.

 

Kalium nitricum

(KNO3) 

Während dem Kohlenstoff 6-C-12 eine Verbindungsfunktion bei den Elementen zukommt, steht beim Stickstoff 7-N-14 mit der Elektronenkonfiguration ([He]2s2p3) die Strukturierung der Aminosäuren, der DNA und der RNA im Vordergrund (Ringstruktur). Ein enger Zusammenhang zwischen Sauerstoff 8-O-16 und Stickstoff 7-N-14 findet sich in der Atemluft: Der Sauerstoff ist nur dank dem hohen Stickstoffanteil von 80% nicht-toxisch, umgekehrt führt das Einatmen von reinem Stickstoff entsprechend seinem Namen innert Sekunden zum Tod: „Stickstoff ist ein sanfter Killer, der unbehelligt durch die Sicherheitskontrollen des Körpers schlendert“ (SK 215).

In der modernen Medizin hat das Zusammenspiel von Sauerstoff und Stickstoff Anwendung in der Positronen-Emissions-Tomografie (PET) gefunden. Zur Abbildung eines Stoffwechsel-prozess, der Sauerstoff benötigt, z.B. im Gewebe des Gehirns, wird instabiler Sauerstoff 8-O-15 (8 Protonen und 7 Neutronen) verabreicht. Indem sich nun 1 Proton durch die Emission eines Positrons in ein Neutron verwandelt, entsteht das Stickstoffisotop 7-N-15 mit 7 Protonen und 8 Neutronen. Trifft das Positron im Köpergewebe auf ein Elektron, zerstrahlen beide in entgegen gesetzter Richtung als energiereiche Photonen. Dadurch lässt sich die verstärkte Aktivität eines Stoffwechselprozesses (z.B Tumor) lokal markieren[iv].

Wir verfügen über keine ausführlichen Beschreibungen von Kalium nitricum durch Farrington, generell sind die Angaben über diese Arznei mangelhaft. Die bekannten Symptome von Kalium nitricum werden fast vollständig durch Kalium carbonicum abgedeckt. Im Vordergrund (-NO3) steht jedoch ein schweres Asthma mit Erstickungsgefühl wie vom Sauerstoff- und Stickstoffanteil erwartet. Auch die übrigen Symptome entwickeln sich durch diese beiden Elemente: So wird das Sputum blutig, das <Schlucken von Getränken ist stark behindert, >aufrechtes Sitzen schafft Erleichterung, Husten und <Anstrengung besonders beim Treppensteigen verschlimmern. Kalium ist verantwortlich für reichlichen Schweiss, typisch hier für Angstschweiss, und die lähmende Schwäche. Ein Pulsdefizit (Vorhofflimmern?) oder generell Pulsanomalien stellen sich ein. Viel mehr ist aus den massgeblichen Werken der Homöopathie nicht zu eruieren.

Zu ergänzen ist der Retronasal Drip, den Kalium nitricum bei entsprechender Gesamtsymptomatik zu heilen vermag. Ferner die Verschlimmerung durch jede Art von <Nässe wie Regen, Wickel, Baden usw., und schliesslich die lagebedingte Verschlimmerung durch <Bücken, Kopf-Tief-Lage, Liegen auf dem Rücken…

Zum Genius von Kalium nitricum im amokoor: Asthma/ Erstickungsanfälle, Sputum blutig/ Blutung aus inneren Teilen. Gefühl wie geschwollen. Lähmiger Schmerz/ Verrenkung. Retronasal Drip. Schweiss reichlich/ ermattend/ ängstlich. Pulsdefizit. Pollakisurie. A/<Kaffee. <nach Essen/ Kalbfleisch, A/<Wasser/ waschen/ baden/ Regen/ Nässe/ Wickel. >schwitzen nachher. <Druck/ liegen auf Rücken/ liegen Kopf tief/ hängen lassen Extremität. <bücken, >sitzen aufrecht. <steigen hinauf. <husten/ atmen ein/ tief/ innehaltend.

 

Kalium bromatum

KBr 

Brom 35-Br-80 ([Ar]4s23d10p5) hat eine Sonderstellung im Periodensystem: Als einziges neben Quecksilber liegt es in flüssiger Form vor (im sog. Ostblock des Periodensystems). Seine Eigenschaften gleichen jenen von Chlor 17Cl ([Ne]3s2p5) so sehr, dass die Natur Chlor vorzog und Brom vernachlässigte. Es wirkt jedoch sanfter und flüchtig. Diese Flüchtigkeit von Brom zusammen mit der Neurotoxizität des Kaliums lässt vermuten, dass die Neurotoxizität und damit die Geistes- und Gemütssymptome verstärkt auftreten (Bromazepam, Lexotanil), Kalium bromatum geniesst eine Sonderstellung.

(F 687): Es „wirkt hauptsächlich auf das Nervensystem… jede kleine Alteration in der Funktion eines Organs wird sofort auf die Nervenzentren reflektiert und bringt andere Störungen hervor, unangenehmes Gefühl, Zucken der Muskeln, Ängstlichkeit, Kopfschmerzen und selbst wirkliche Konvulsionen…. Es hat auch sehr gute Wirkung beim Nachtschreck der Kinder, wenn wegen übermässiger Erregung des Gehirns… das Kind im Schlaf aufschreit, und…  sich beklagt, dass es Kobolde, Gespenster oder dergleichen Dinge sieht.“ „Der Kranke ist nervös und kann nicht schlafen und fühlt sich besser, wenn er sich >mit etwas beschäftigt. Er spielt entweder mit seinen Fingern oder geht umher oder beschäftigt seinen Geist oder Körper mit irgendetwas, dann fühlt er sich besser“ (Helonias, Lilium).

„Der Kranke kann hauptsächlich sich nicht an Worte besinnen. Verbunden mit dieser Erscheinung ist eine quälende Melancholie... Er bekümmert sich um niemand, auch nicht um sein eigenes Geschäft… Sie werden Kalium bromatum indiziert finden bei Geschäftsleuten, die lange und schwer gearbeitet, die sich mit <schwierigen Problemen beschäftigt haben, bis dieser Schwindel sich einstellte, dieses Wanken beim Gehen und diese Benommenheit im Gehirn“ (Burnout, vgl. Gelsemium).

Die sonst starke Beziehung von Brom zu den Schleimhäuten tritt wegen seiner Flüchtigkeit im Kaliumbromid kaum in Erscheinung. Zu ergänzen wären noch die generelle Unruhe und allenfalls ein Stottern (Gels., Stram.), und speziell zu erwähnen sind giesskannenartige Stühle beim Kleinkind („Cholera infantis“) sowie die kalten und ermattenden Schweisse. Einerseits <Müssigsein, anderseits <das Denken an das Leiden und Stress verschlimmern.

Zum Genius von Kalium bromatum im amokoor: Kälte, Schweiss klebrig/ ermattend. Akne. Stomatitis. Taubheit leidender Teil. Unruhe/ Zuckungen/ Stottern. Epilepsie. Tiefschlaf/ schlaflos (RLS), Träume verworren/ ängstlich. Benommen, Blödsinn, kindliches Verhalten, vergesslich. Lustlos. Angst/ misstrauisch. Selbstmordimpulse. Ungewöhnliche Behaglichkeit. "Psycho-somatische" Erkrankung. Stuhl giesskannenartig/ grün (Cholera infantis). Harnen zu viel. Erbrechen Unverdautes, Durst/ B Wein. <Trinker. <Müssigsein, <Stress (anstrengen geistig/ emotional), <fremde Menschen. <denken an sein Leiden, <Erwachen/ nachts/ morgens.

 

Kalium bichromicum

K2Cr2O7

Chrom 24-Cr-52 (mit der Elektronenkonfiguration ([Ar]3d54s1) gehört zu den Schwermetallen. Chromate sind bekannt dafür, dass sie die Zellmembranen durchdringen und bis zum Zellkern vordringen können (erzeugen Mutationen). Das Kalium tritt in den Hintergrund, der Sauerstoff dominiert und erhält Verstärkung durch die Chromsäure: „Diese ist ein mächtiges Ätzmittel, welches das tierische Gewebe sehr schnell zerstört, schnell in die Tiefe eindringt und auf diese Weise tiefe Geschwüre und Wunden hervorbringt“. „Es ergreift die Schleimhäute… mit ausserordentlicher Röte und Schwellung und ruft zuerst eine exzessive Ansammlung von Schleim hervor… Dieser Charakter der Exsudation … gibt uns das wohlbekannte Charakteristikum des Kali bichromicum, nämlich zähe und strähnige Absonderungen“ (F 694). Diese zähen Absonderungen, welche auch zu Verschlüssen führen können, finden sich überall, im Mittelohr (Mastoiditis), im Larynx, in der Gallenblase, in der Nase usw. (vgl. Hydrastis, Silicea).

„Das Mittel reizt so gewaltig, dass Gastritis entsteht…, bei den milderen Formen, wenn Kopfschmerz vorhanden, der gewöhnlich supraorbital ist.“ Der Kopfschmerz könne sehr heftig sein, „mit Abneigung gegen Licht und Geräusch“. „Es gibt eine ganze Reihe von Mitteln, die blind machenden Kopfschmerz haben, aber Kalium bichromicum ist das beste unter ihnen.“ „Kalium bichromicum ist eines der besten Mittel gegen die chronischen Folgen von übermässigem Bier- und Alkoholgenuss.“

Kalium bichromicum heilt Geschwüre, „die mehr in die Tiefe fressen…, perforierende Geschwüre, die selbst die Knochen affizieren.“ Vergessen solle man dabei nicht „die Indolenz der Ulceration, das Fehlen oder das nur geringe Vorhandensein der entzündlichen Röte…“. „Sie müssen auch an Kalium bichromicum denken als hilfreiches Mittel beim Asthma, das von Bronchiektasie abhängt. Die Bronchialröhren sind angefüllt mit zähem, klebrigem Exsudat.“

Zu ergänzen ist der wellenartig, neuralgische Schmerz, wie er bei einer Migräne oder Ischialgie auftreten kann, ferner die Abneigung gegen Fleisch und die Verschlimmerung (bzw. die Folgen) durch <Alkohol und Nikotin. Eintritt der Exkretionen bessert.

Zum Genius von Kalium bichromicum im amokoor: Gefühl wie Haar/ Sand/ Staub/ wie Ab-/ Wegreissen/ Ablösung/ Pflock. Schmerz wellenartig/ beklemmend/ wühlend. Migräne. Ischialgie. Geschwüre schorfig/ speckig/ penetrierend/ erosiv (Magen) Bronchiektasen. Exkret träg/ gallertig/ zäh/ dickflüssig. Schweiss kalt/ klebrig. Husten/ Stimme rauh. Tonsillen. Lustlos/ Misstrauen. Appetitlos/ Erbrechen, A/<Fleisch/ Tabak. <Rauch. <Säufer. B/<Bier/ Kaffee. <schlucken Speise. >Exkretionen alle/ Blutung. <entblössen. >waschen. <Gewitter. <kratzen. <bücken/ >sitzen gebückt. <Erwachen. <periodisch. <Gesellschaft. >kurzer Schlaf.

 

Kalium jodatum

KJ

Jod 53-J-127 (Elektronenkonfiguration [Kr]5s24d10p5) ist entsprechend seiner Position im Periodensystem unterhalb von Chlor und Brom ein schwaches Reduktionsmittel, es wirkt bakterizid und fungizid. Biologisch ist uns Jod bekannt durch seine Affinität zur Schilddrüse. Vergiftungen führen eher zu einem Schwund der Drüsen, vor allem von Schilddrüse (mit Myxödem = „Anreicherung saurer Mucopolysacharide im Bindegewebe“, vgl. Kal.jod. mit Conium), Hoden und Brüsten, und zu deren Verhärtung. Schliesslich sind auch Katarrhe der Rachen- und Nasenschleimhaut (Jodschnupfen) bei medizinisch indizierter Jodsubstitution bekannt. Farrington (F S.690): „Das Jodid von Kalium wirkt nicht wie das Bromid auf die höheren Gewebe des Körpers. Es scheint mehr die niedersten Gewebe zu affizieren, wie die fibrösen, und indem es hauptsächlich auf das Periost und das Bindegewebe wirkt… (z.B.:) Der Kopfschmerz, den Kalium jodatum hervorruft, sitzt im äusseren Kopf…, weil harte Klümpchen wie Knoten auf der Kopfhaut erscheinen“. „Die Tendenz des Mittels geht dahin Infiltration zu bewirken, so dass… Sie fast immer einen Zustand von Ödem oder Infiltration des affizierten Teils finden werden.“

„Einige von den durch Jodkalium hervorgerufenen Symptome hängen direkt vom Jod ab... Der Kranke hat grosse Angst am Herzen, das Gesicht leidet an Blutwallungen, der Kopf ist heiss und der Kranke ist sehr geschwätzig…“.

„Es gibt nun zwei gerade entgegen gesetzte Zustände, bei denen Kali jodatum in Erwägung zu ziehen ist. Einer von diesen ist (1.) die Pneumonie…, wenn die Krankheit sich lokalisiert und die Infiltration (= „entzündliche Ausfüllung der Alveolen“) beginnt. In solchen Fällen und wenn andere Symptome fehlen, die bestimmt auf Bryonia, Phosphorus oder Sulfur hinweisen, würde ich raten, entweder Jodum oder Kali jodatum zu wählen… Es ist nützlich, wenn die Hepatisation („Verhärtung des fibrinösen Exsudates“) so extensiv ist, dass wir Hirnkongestion oder (2.) Ausschwitzung ins Gehirn (Hirnödem)… haben.“

„Die Symptome sind folgende: Zuerst beginnen sie mit sehr grosser Röte des Gesichts; die Pupillen sind mehr oder weniger erweitert, und der Kranke wird schlafsüchtig, ähnlich der Belladonna, Sie werden höchst wahrscheinlich dieses Mittel geben, aber es hilft nichts. Der Kranke verschlimmert sich, das Atmen wird beschwerlicher… und Sie erkennen nun, dass Sie einen ernsten serösen Erguss im Gehirn vor sich haben… Warum heilt Belladonna nicht? Wer nur nach den Symptomen in solchem Falle sich richten würde, würde fehlgehen, weil er nicht die Totalität des Falles aufgefasst hat. Das Leiden hatte nicht seinen Ausgang im Gehirn. Die Hirnsymptome sind sekundär zu den andern. Was ist das primäre Leiden? Sie legen Ihr Ohr an die Brust des Patienten und Sie finden die eine oder andere Lunge konsolidiert… und die verschiedenen Organe im Körper werden kongestioniert“ (auch sekundäres Lungenödem).

„Es kann ferner gegeben werden bei Rheumatismus der Gelenke, hauptsächlich der Knie. Das Kniegelenk ist geschwollen und fühlt sich teigig an; auch hier wieder sehen Sie die Tendenz des Mittels, Infiltration der Gewebe hervorzurufen. Fluktuation ist nicht zu entdecken… die Schmerzen sind nagender, bohrender Art und verschlimmern sich nachts.“

(F 563): Kalium jodatum ist „hauptsächlich indiziert… wenn die wohlbekannte syphilitische Ozaena vorhanden ist, dünner, wässeriger Ausfluss aus der Nase, der die Oberlippen wund und rot macht… Sobald man sich im geringsten <feuchter oder kalter Luft aussetzt, folgt Fliessschnupfen… (und Sinusitis). Diese Symptome kehren immer wieder, sobald man sich <frischer Luft aussetzt.“ „Kalium jodatum… ist ein wohlbekanntes Antidot von Mercur…“. Farrington empfiehlt Kalium jodatum für die tertiäre Syphilis (für die sekundäre Aurum).

Zu ergänzen sind der Bewegungsdrang oder das Gefühlt von etwas Lebendigem im Leib, die tiefen, eiternden Geschwüre (Mercurius, Kalium bichromicum) oder gar die Nekrose, und schliesslich können Sputum, Fluor und Stuhl blutig sein. Die grosse Erkältungsbereitschaft ist ebenso führend. Besserung besteht >im Freien (Cepa vulgaris,), sofern nicht die <Luft nass und kalt ist.

Zum Genius von Kalium jodatum im amokoor: Fliessschnupfen. Bewegungs-drang. Schmerz wie Schraubstock/ würgend/ beklemmend/ nagend (Knochen). Ischialgie-LRS. Gefühl wie lebendig. Polypen/ Geschwulst ödematös. Geschwür tief/ eiternd. Nekrose. Pneumonie. Wassersucht/ Sputum schaumig. Gestank aus Nase/ Sinusitis. Foetor. Schmecken wie ranzig/ süsslich, Ekel. Niere. Schreckhaft. Fluor wässerig/ blutig/ fressend. Stuhl blutig/ schleimig. Appetitlos. B Warmes. B/<Milch, <Eiscrème. >Warmwerden im Bett. <kalte nasse Luft. <Berührung/ Erschütterung. <sitzen gekrümmt, >wechseln Lage. B/>bewegen im Freien. <lesen laut. <erwachen/ nachts.

Autor:

Urs Steiner, Dr. med.

Staldenstrasse 10, 6405 Immensee


1 Sam Kean, Die Ordnung der Dinge, Hoffmann und Campe, ISBN 978-3-50208-4

2 E.A.Farrington, Klinische Arzneimittellehre, Burgdorf Verlag, ISBN 3-922345-01-8

3 P.W.Atkins, Im Reich der Elemente, Spektrum Verlag, ISBN 3-8274-023336-6

4 siehe dazu: Harald Lesch, Quantenmechanik für die Westentasche, Piper, ISBN 978-3-492-05125-5